In der heutigen Gesundheitsversorgung ist die Interoperabilität zwischen IT-Systemen von entscheidender Bedeutung, insbesondere in Krankenhäusern. Eine reibungslose Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen ermöglicht eine effizientere Patientenversorgung und optimierte Abläufe. Standards wie FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) und ISiK (Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern) spielen eine zentrale Rolle, um die Interoperabilität sicherzustellen und den Austausch von Gesundheitsdaten zu erleichtern.
Was ist FHIR?
FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources) ist ein wichtiger Interoperabilitätsstandard, der definiert, wie verschiedene IT-Systeme Gesundheitsdaten elektronisch austauschen können. Zudem dient FHIR als ein klarer Standard für die Struktur dieser Daten. Dadurch wird ein einheitlicher und effektiver Austausch zwischen den Systemen ermöglicht. In einer Zeit, in der die Komplexität von Gesundheitsdaten stetig zunimmt, ist es entscheidend, die Erwartungen der Benutzenden und die Anforderungen an moderne, internetbasierte Kommunikationsansätze zu berücksichtigen. Die Entwicklung des Standards begann 2012, als der Bedarf nach schnelleren und effizienteren Methoden zur Handhabung der wachsenden Menge an Gesundheitsdaten immer dringlicher wurde. Dabei ist es wichtig, konsistente, leicht umsetzbare und umfassende Mechanismen zu schaffen, die den Austausch zwischen verschiedenen Gesundheitsanwendungen ermöglichen. Die HL7® (Health Level Seven) [1] spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Aktualisierung von FHIR. Sie verfolgt einen kooperativen Ansatz und kann auf zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Schaffung von Standards für Gesundheitsdaten zurückblicken. Ihr Ziel ist es, eine gemeinsame Basis von Ressourcen zu schaffen, die von möglichst vielen Akteuren im Gesundheitsökosystem genutzt werden können. FHIR bietet diese Basis und ermöglicht den sicheren Zugriff auf eine Vielzahl von Gesundheitsdaten, darunter sowohl klinische als auch administrative Informationen, um den steigenden Digitalisierungsbedarf im Gesundheitswesen zu adressieren und den Datenaustausch zu vereinfachen [2].
Als die neueste Spezifikation für den Datenaustausch integriert FHIR wertvolle Erkenntnisse aus bestehenden Modellen und bietet eine vereinfachte Implementierung für den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Gesundheitsanwendungen, ohne dabei die Integrität der Informationen zu gefährden. Offene Schnittstellen machen es möglich, dass unterschiedliche Anwendungen relevante Informationen in verschiedenen Formaten, wie Dokumenten und Nachrichten, einpflegen können. Mit FHIR ist es möglich, elektronische Gesundheitsdaten für alle Beteiligten im Gesundheitswesen zugänglich, auffindbar und leicht verständlich zu machen. Außerdem können FHIR-Ressourcen problemlos in bestehende Systeme integriert werden. Dies hilft Entwicklern von Gesundheitsanwendungen, ihre Implementierungen schneller und einfacher umzusetzen. Durch die Förderung eines effizienten und sicheren Austauschs von Gesundheitsdaten unterstützt FHIR nicht nur die Patientinnen und Patienten dabei, ihre Gesundheit besser im Blick zu behalten, sondern auch eine automatisierte klinische Entscheidungsunterstützung und den Einsatz von KI-gestützten Prozessen. Insgesamt trägt dieser Standard entscheidend zu einer besseren Patientenversorgung und einer effizienteren Nutzung der Ressourcen im Gesundheitswesen bei [3].
Was ist ISiK?
ISiK (Informationstechnische Systeme in Krankenhäusern) greift die wichtigen Aspekte der interoperablen Gesundheitsdaten von FHIR auf und integriert diese Standards durch praktische Umsetzung in die Systemlandschaft deutscher Krankenhäuser. ISiK ist ein Subset von FHIR, das speziell für die Bedürfnisse von Krankenhäusern entwickelt wurde. Während FHIR eine Vielzahl von Ressourcen umfasst, die nicht unbedingt für einen Krankenhausaufenthalt relevant sind, wie beispielsweise klinische Studien, konzentriert sich ISiK auf die wichtigsten Ressourcen, die für die Behandlung und Versorgung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus erforderlich sind. Der Interoperabilitätsstandard, der von der gematik im Jahr 2021 entwickelt wurde, schafft einen verbindlichen Rahmen für den schnellen und medienbruchfreien Austausch von Gesundheitsdaten zwischen verschiedenen IT-Systemen von Kliniken. Dabei orientiert sich ISiK an den Vorgaben aus § 373 SGB V und verfolgt einen standardisierten Ansatz, der die Entwicklung einheitlicher Schnittstellen für medizinische Einrichtungen unterstützt. Hierzu wurden spezielle FHIR-Ressourcen definiert, die eine Vielzahl von Anwendungsfällen abdecken und als praktische Leitlinien für die Implementierung dienen. Diese klaren Spezifikationen tragen dazu bei, den Informationsfluss zwischen unterschiedlichen Systemen erheblich zu optimieren und die Effizienz im Krankenhausbetrieb signifikant zu steigern. Dadurch wird KIS-Herstellern ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Implementierung zu erleichtern [4].
Die Übermittlung der Daten erfolgt, ähnlich wie bei FHIR, über ein REST-basiertes Application Programming Interface (API), was den Austausch von Informationen vereinfacht und beschleunigt. Da ISiK auf FHIR basiert, bietet sich auch hier die Möglichkeit, Entscheidungsunterstützungssysteme zu integrieren. Diese ermöglichen es medizinischen Fachkräften, fundierte Entscheidungen auf Grundlage aktueller und relevanter Daten zu treffen, was letztlich zu einer Verbesserung der Patientenversorgung führt. Überdies fördert ISiK einen standardisierten Ansatz für den Massendatentransfer zwischen Systemen, was in Zeiten steigender Datenmengen von großer Bedeutung ist. Das ISiK-Basismodul ermöglicht außerdem die Integration von webbasierten Applikationen von Drittherstellern in Primärsysteme, was eine flexible und anpassungsfähige Infrastruktur schafft [5][6].
Wie kann das Zusammenspiel aussehen?
Wie ein mögliches Zusammenspiel dieser Standards aussehen kann und wie ISiK heute schon teilweise Anwendung im Krankenhausalltag durch Drittherstelleranwendungen findet, zeigt das Projekt »One Viewpoint for Medical Information in Clinical Contexts« (kurz: OneViewMed).
Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) hat zusammen mit dem University Center for Digital Healthcare der Universitätsmedizin Frankfurt an dem Projekt OneViewMed gearbeitet. Das Projekt wurde zudem im Rahmen des Digitalisierungsprojekts »Digitales Universitätsklinikum Frankfurt« durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) gefördert. Dieses Projekt hatte das Ziel, ein innovatives IT-System zu entwickeln, das den reibungslosen Transfer von Patientinnen und Patienten von der Intensivstation auf die Normalstation optimiert. Ein zentrales Anliegen von OneViewMed ist es, die Arbeitsabläufe des medizinischen Personals entscheidend zu verbessern. Dazu wurde ein grafisches Dashboard entworfen, das eine bedienungsfreundliche Oberfläche bietet und die Interoperabilität zwischen den verschiedenen Krankenhausinformationssystemen (KIS) auf den Stationen sicherstellt. In der gegenwärtigen klinischen Praxis verwenden Intensiv- und Normalstationen unterschiedliche KIS, die oft nicht miteinander kompatibel sind. Diese Inkompatibilität erschwert den direkten Austausch von Daten erheblich und zwingt das medizinische Personal dazu, wichtige Informationen bei der Verlegung von Patientinnen und Patienten in mehreren Systemen zu suchen. Dieser Prozess ist nicht nur zeitaufwendig, sondern birgt auch ein erhöhtes Risiko für Fehler, die die Patientenversorgung beeinträchtigen können. Durch das Projekt OneViewMed wird angestrebt, ein tieferes Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse der Ärztinnen und Ärzte am Universitätsklinikum Frankfurt zu erlangen. Auf Basis der spezifischen Bedürfnisse der Ärzte wurde OneViewMed, ein integriertes IT-System entwickelt, das Medienbrüche beseitigt und in der Lage ist, Daten aus verschiedenen Quellen anzuzeigen. Dies soll nicht nur die Effizienz der Arbeitsabläufe im klinischen Alltag steigern, sondern auch die Qualität der Patientenversorgung verbessern.
Die Medikationsübersicht (siehe Abbildung 1) stellt ein Beispiel für die implementierten Maßnahmen zur Verbesserung der Übersichtlichkeit dar. Dieser Tab zeigt die Medikation des Patienten oder der Patientin zu Beginn des Krankenhausaufenthalts, einschließlich der vor der Einweisung verordneten Medikamente sowie der Arzneimittel, die während des Aufenthalts auf der Intensiv- und Normalstation verabreicht wurden. Für die Erstellung dieser Übersicht wurden mehrere FHIR-Ressourcen herangezogen, darunter Medication, MedicationStatement und MedicationRequest, sowie deren spezifische Elemente und Attribute. Im ISiK-Standard sind die gleichen Ressourcen unter anderen Namen zu finden, wie MedikationsVerordnung, MedikationsInformation und Medikament. Die meisten in OneViewMed verwendeten Elemente der FHIR-Ressourcen entsprechen den Vorgaben des aktuellen ISiK-Standards. Ein Beispiel hierfür ist MedicationRequest.authorizedOn, welches das Datum dokumentiert, an dem ein Medikament verschrieben wurde. Ein weiteres relevantes Element ist die Dosierung der Aufnahmemedikation, die über MedicationStatement.dosage abgerufen werden kann. Es gibt jedoch auch Elemente und Attribute, die im gegenwärtigen ISiK-Standard nicht integriert sind, wie MedicationRequest.dispenseRequest.validityPeriod. Dieses Element spezifiziert den Zeitraum, ab und bis zu welchem Datum ein Medikament verabreicht werden soll. Die Berücksichtigung dieses Elements ist in OneViewMed von entscheidender Bedeutung, da es zur chronologischen Darstellung der Medikamentenverabreichungen beiträgt, die im unteren Abschnitt von Abbildung 1 dargestellt sind.

Es ist bedauerlich, dass die Chronologie im ISiK-Standard nicht mit diesem spezifischen Element der FHIR-Ressource realisiert werden kann. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass alternative Elemente, die im ISiK-Standard bereits definiert sind, evtl. genutzt werden können, um die gewünschte Ansicht zu erstellen.
Bei anderen Tabs oder Übersichten, wie der Übersicht zu den Patientinnen und Patienten mit allen relevanten Daten (Name, Alter, Kontaktpersonen, behandelnder Hausärzte usw.), fehlen jedoch bereits einige wichtige Elemente. Ohne diese könnte es schwierig werden, gute und vollständige Anwendungen für die Klinik zu implementieren.
Zukunft! Innovation braucht interoperable Gesundheitsinfrastruktur in Kliniken
Obwohl bislang nicht alle FHIR-Ressourcen vollständig in den ISiK-Standard integriert sind, ist dies möglicherweise auch nicht unbedingt erforderlich. Entscheidend ist jedoch, dass wichtige Elemente aus bestimmten FHIR-Ressourcen, beispielsweise der Patient-Ressource, in ISiK übernommen werden. Andernfalls könnte die Entwicklung effizienter und nutzungsfreundlicher Anwendungen erschwert werden, da essenzielle Informationen für die klinische Versorgung fehlen könnten.
Mit der fortlaufenden Ausarbeitung des ISiK-Standards ist zu erwarten, dass in der Zukunft vermehrt innovative Anwendungen entstehen, die auf den Prinzipien von FHIR basieren. ISiK wird kontinuierlich weiterentwickelt, um den sich wandelnden Anforderungen im Gesundheitswesen gerecht zu werden. Durch die Integration relevanter FHIR-Elemente wird ISiK eine solide Grundlage für die Entwicklung leistungsfähiger Lösungen schaffen, die den Austausch von Gesundheitsdaten verbessern und die Patientenversorgung optimieren.
Die zunehmende Verfügbarkeit interoperabler Standards wird nicht nur die Effizienz im Gesundheitswesen steigern, sondern auch den Weg für neue Technologien und Anwendungen ebnen, die auf datengestützten Erkenntnissen basieren. In den kommenden Jahren könnten wir eine Vielzahl von Anwendungen erleben, die durch den ISiK-Standard ermöglicht werden und die klinische Entscheidungsfindung sowie die personalisierte Gesundheitsversorgung unterstützen.
Insgesamt wird die kontinuierliche Anpassung und Integration von ISiK entscheidend sein, um eine interoperable Gesundheitsinfrastruktur in Kliniken zu schaffen. Die Übernahme wichtiger Elemente aus FHIR in ISiK wird die Entwicklung innovativer Anwendungen fördern und somit die Qualität der Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessern.
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Referenzen
[1] Health Level Seven International – Homepage | HL7 International. Zugegriffen: 14. Januar 2025.
[2] What is HL7 FHIR?, TIBCO. Zugegriffen: 14. Januar 2025.
[3] ONCFHIRFSWhatIsFHIR.pdf. Zugegriffen: 14. Januar 2025.
[4] ISiK | gematik . Zugegriffen: 14. Januar 2025.
[5] ISiK – Informationstechnische Systeme im Krankenhaus. Zugegriffen: 14. Januar 2025.
[6] § 373 SGB 5 – Einzelnorm. Zugegriffen: 14. Januar 2025.